Inhaltlich leider dennoch vorher nicht völlig tadellos: Ich wüsste gerne, warum die Telefongesellschaft die Anrufe des Spielfeldtelefons nicht nachverfolgen kann. Sie kann es doch sonst immer. In "Doppelter Schlag" ist das sogar der Schlussbeweis.
Dass die Wasserlache am Beckenrand bei Columbos Eintreten noch nicht verdunstet ist, stört mich weniger, denn was wissen wir schon über das Wetter während der halben Stunde? Vielleicht zogen Wolken auf und verdeckten die Sonne.
Wenn der Eismann kommt, gibt es im Pool eine Leiche.
Ein Sommer-Klassiker: Eiskalter Mord, erhitztes Gemüt beim Schurken nach Columbos penetranten Besuchen, cooles Knalleffekt-Finale, mit dem die Alibikonstruktion in sich zusammenfällt. Und wer bastelt sich schon ein Fake-Alibi, wenn er doch ahnungslos und unschuldig ist und nicht wissen kann, dass er ein Alibi brauchen wird?
Von all den High-Society-Milieus, in die der schmuddelige Regenmantel-Inspektor nicht reinpasst, ist das auf Schönheit ausgerichtete Kosmetikgewerbe das Konträrste. Schon das macht den Charme der mit Starpower gezogenen Folge aus. Und das Drama zweier unnützer Verzweiflungsmorde im Dienste des beruflichen Ehrgeizes ist auch nicht schlecht. Ein bisschen sehr schade ist, dass das Charisma des Weltstars Vincent Price nicht für eine Mörderrolle in Staffel 3 ausgenutzt wurde. Peter Falk wollte damals keinen klassischen Gruselfilmhelden als Gegenspieler.
Columbo sagt zwar genervt "Das ist der blödeste Fall, den ich je hatte!" - doch da habe ich zuvor schon einige schwächere gesehen.
Columbos Ermittlungsweise ist ein Schulbeispiel für das Heranpirschen an die Wahrheit, für das Grillen und Überlisten des verlogenen Schuldigen. In der Tötungsszene einfallsreich und eindrucksvoll gefilmt und hochkarätig besetzt. Robert Culp und Ray Milland hatten sich mit ihren glaubwürdigen Darbietungen beide ein Ticket für einen wohl verdienten Schurkenplatz in der nächsten Staffel reserviert. Und wir erfahren, wenn wir die Folge auf Englisch gucken, warum Columbo überhaupt Polizist geworden ist: um seine Lausbubenstreiche als Junge wieder gutzumachen. Entzückend! Wer ihn jetzt nicht liebt, hat seine Chance verpasst.
Fantastisch: "Hund" löst für Columbo den Mordfall; ist das nicht allerliebst? Schon allein deswegen gehört die Folge - eine der wenigen, zu denen die Columbo-Erfinder Richard Levinson & William Link auch selbst an der Handlung mitgeschliffen haben - zu den wertvollen Klassikern.
Trotz all seiner Selbstzweifel bleibt der neurotische Schachspieler Emmet Clayton für mich ein beneidenswerter Glückspilz: Er hat Glück, dass er zweimal im rechten Moment Gelegenheit bekommt, unbemerkt in Tomlin Dudeks Hotelzimmer einzudringen. Und er hat Glück, dass Dudek nicht irgendwelche Kosenamen in seiner Sprache auf die Notiz gekritzelt hat, die er für Emmet schreiben sollte, denn damit wäre der Schwindel, dass es eine Nachricht von Dudek für Clayton sei, frühzeitig aufgeflogen. Und er hat Glück, dass er ohne nochmal gegen Dudek antreten zu müssen seinen verlorenen Weltmeistertitel zurück erhält. Oder nicht? Seinen Karriereverlauf hätte man ruhig noch weiter verfolgen können, aber in den 70 min war dafür wohl kein Platz.
Mit Horst Sachtleben komme ich nicht klar, deshalb ist es ärgerlich, dass RTL nur wegen ein paar wenigen unwichtigen Sekunden die komplette gute ARD-Synchro mit Klaus Schwarzkopf, Christian Rode und Heidi Brühl herself weggeschmissen hat. Weil auch ich wie Clayton ein Glückspilz bin, habe ich die "richtige" Fassung trotzdem in meiner Sammlung.
Im Optimalfall sind Columbo-Krimis so wie hier in diesem Verbal-Schach ein taktisches Duell zweier ebenbürtiger Strategen. In meinem Ranking geht es mit beinahe jeder Folge mal rauf und mal runter.
"Schach dem Mörder" rangiert zur Zeit in den Top 15.
Architekt Elliot Markham nimmt Rücksicht auf die Würmer und sorgt dafür, dass sie den widerwärtigen Multimillionär Beau Williamson nicht auffressen müssen, indem er die Leiche mit Zement umgeben wird...
In gewisser Weise die unentbehrlichste Folge der ersten Staffel, denn wenn Peter Falk diese unter seiner eigenen Direktion nicht hätte drehen dürfen, hätte er sich dickköpfig geweigert, in einen zweiten Jahrgang zu gehen, und was für ein Verlust für die weltbeste Krimiserie wäre das dann gewesen! Als Rache für seine Unnachgiebigkeit gab man Peter Falk ein Drehbuch, das wegen seines Schauplatzes auf der Baustelle ungemütliche, weil lärm- und staubbelastete Arbeitsbedingungen garantierte. Dennoch ein hochattraktives Milieu für ein Krimijuwel mit Köpfchen. Dass selbst unter Zeitdruck noch solch eine architektonische Meisterleistung entstehen konnte, spricht für die Gewissenhaftigkeit der Columbo-Crew und des Einmal-Regisseurs Peter Falk.
Einen kleinen Fehler hat die Sache dennoch: Ich selbst habe sowohl von Beethoven als auch von diversen älteren Country-Ikonen Musik im Regal stehen. Schon allein wegen "Schwanengesang" muss man doch Fan von Johnny Cash sein! Dass also die gegensätzlichen Stilrichtungen "Klassik" und "Unterhaltungsmusik" nicht von ein und derselben Person gehört und geliebt werden können, war eine falsche Schlussfolgerung, lieber Inspektor!
Ist mein Glasauge kaputt? Ich glaub, ich sehe doppelt:
Fernsehkoch Dexter Paris rührt das Badewasser seines Onkels mit einem neuen Mixer um und lässt ihn so zu Tode kommen. Oder irre ich mich? War es am Ende etwa sein Bruder Norman, der plötzlich die Szenerie betritt, als Columbo gerade Dexter seine Schweißfüße unter die Nase halten will? Norman sieht ja haargenauso so aus wie Dexter und hat (unrealistischerweise) auch die gleiche Stimme. Columbo ist ganz verwirrt und weiß gar nicht mehr, mit wem er gerade spricht: "Äh, sind Sie jetzt der Eine oder der Andere? Der Eine sagte mir doch... und wenn Sie nämlich der Andere sind, hätte der Eine ja gelogen..."
(Leider wird das Potential zu einer solch wltzigen Szene nicht genutzt und entspringt nur meiner Phantasie.)
Die beliebte Krimi-Formel des "How-to-catch-him", die "Columbo" so einzigartig macht, wird unerwartet variiert zu einem gewöhnlichen "Who-has-done-it". Das einst von Ken Franklin in "Tödliche Trennung" erklärte Krimiklischee des Zwillingsbruder-Effekts wird hier immerhin originell abgewandelt: Es waren beide Brüder die Mörder. Da das Script dies als Schlusspointe nutzen wollte, leistete es sich diesmal einen mit etwas weniger Clous gespickten Ermittlungshergang. Die Auflösung bietet leider auch keinen zündenden Wow!-Moment, wie es aber bei den meisten frühen Columbo-Folgen gang und gäbe war.
Die Synchronisation mit Klaus Schwarzkopf und Horst Stark in seiner Doppelrolle (den Dexter-Teil betont er beschwingt, unbekümmert und lebensfroh; den Norman-Teil eher düster, besorgt und seriös) ist zeitlos schön, auch wenn sie in der improvisierten Kochshow-Szene total daneben gegangen ist.
6 von 9 Punkten von mir.