Das Motiv war also einzig und alleine, dass sein Freund sah, dass er als Matador unfähig ist? Und dann diese grausame Hinrichtung? Mein lieber Mann.
Ich fand die Folge ausgezeichnet. Tolle Atmosphäre, hervorragende Synchro. Sehr witzig die Szene mit dem Auto. Toller Ausraster von Montalban.
9/9
Nachdem die ARD 1975 zunächst den EinfallI hatte, die nicht ganz so spannenden Columbo-Folgen zu verstümmeln, kam ihr wohl beim Betrachten der England-Episode die Idee, dass man manche Folgen auch komplett wegschneiden könnte. Was in Staffel 2 nur einmal vorkam (und zwar hier), fand ab Staffel 3 häufiger Anklang bei den Programmverantwortlichen des Ersten Deutschen Fernsehens: Ganze Folgen wurden verschmäht und erst bis zu 17 Jahren später von RTL uraufgeführt. Mit "Alter schützt vor Torheit nicht" begann 1992 die Claus-Biederstaedt-Ära.
Stärken und Schwächen halten sich in dieser mittelprächtigen Folge die Waage. Es ist amüsant, wie Scotland Yard den zwei Mördern auf den Leim geht und nur Columbo als lästiges Anhängsel macht seinen Job richtig! Der Schauplatz London und der Akzent der spießigen Briten (im Original) lassen den schnodderigen Amerikaner wieder herrlich fehl am Platz erscheinen.
Ein großes Manko ist aber die geringe Anzahl an Szenen, in denen Columbo seinen Widersachern auf den Zahn fühlt. Er spricht so gut wie nie mit ihnen und dadurch fehlt der Verbalschlagabtausch, der einen Columbo-Krimi im Wesentlichen ausmacht. Und dass der Inspektor dann auch noch mit einem gefälschten Beweis operieren muss... na ja, gut, hat er auch schon in "Mord mit der linken Hand" gemacht.
Ich gebe 5 von 9 Punkten.
@rekath16 Das Motiv war Furcht. Der traditionsbewusste Hassan Salah hat Angst, dass der Spion und Verräter, der heimlich für die Rebellen arbeitet (was nur kurz nach dem Mord erwähnt wird) dem Kulturerhalt in seinem Land gefährlich werden könnte. Dass der König die westliche Freiheit so offenherzig befürwortet, ist Hassan auch ein Dorn im Auge; vielleicht hätte er den König auch noch irgendwann umgebracht.
Dieser Fall ist eine der härtesten Nüsse, die Columbo in seinem Leben knacken musste. Fast hätte er wegen des einflussreichen Doppelmörders seinen Job verloren. Außerdem ist Columbos Sieg fast aussichtslos, denn wie soll man bitte einen Diplomaten überführen, der wegen der Immunität nicht verhaftet werden darf?
Hector Elizondo dürfte unter den unsympathischsten Mördern weit vorne liegen. Diesmal war Columbos Trick leider sehr vorhersagbar (Einschaltung des Königs; was hätte er sonst machen sollen, denn wie u. schon erwähnt, hat Columbo in einer ausl- Botschaft eigentlich gar nix zu sagen).
Was war eigentlich das Motiv für den Mord?
6/9
Nun ist es also soweit: ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die TV-Legende ihren Einstand gab. 50 Jahre "Prescription: Murder".
Dadurch dass Levinson & Link die Wirkung ihres Bühnenstücks vorab am Theater beobachten konnten, hatten sie Gelegenheit, das Fernsehdrehbuch bis zur Perfektion auszufeilen. Die geschliffenen Dialoge, die psychologische Weichkocherei des elitären Mörders, das Mienenspiel in den Gesichtern, und dass Columbo Dr. Flemming am Ende mit dessen eigener Psycho-Falle "Die Menschen sehen das was sie erwarten nach dem Prinzip der Assoziation" besiegen kann - hier stimmt einfach alles! Der Charakter des hinterlistigen Ermittlers und seine Methodik wird passenderweise direkt im ersten Film von einem Experten mit Menschenkenntnis analysiert und ausgesprochen.
Vielfach wird von Fans moniert, dass Columbo gegen Joan laut wird, was nicht zum Charakter passe. Doch das ist in dem Moment Berechnung und dringend nötig, um Joan zu schwächen, denn Columbo will ihr schließlich ein Geständnis entlocken. Die Fälle, in denen Columbo die Tricks der Mörder erkennt und gegen sie verwendet, waren auch später die besten. Danke, Richard Irving, dass er seinerzeit Levinson & Link dazu überreden konnte, den ihrer Meinung nach zu jungen Peter Falk den Detektiven spielen zu lassen. Wir sind uns alle einig: Ohne Peter Falk wäre Columbo nie geworden, was er ist.
Diese Folge ist charmant, gewitzt und clever. Weltstar Ray Milland eignet sich bestens für die Rolle eines arroganten Columbo-Widersachers. In der deutschen Erstsynchro wird deren Verbalduell auch erstklassig durch Klaus Schwarzkopf und Curt Ackermann vertont, also von denselben Stimmen wie schon zuvor in "Mord mit der linken Hand". In der "verlängerten", besser gesagt ungeschnittenen Neusynchro rumort Raubein Holger Hagen zwar etwas zu ungehobelt, aber dafür ist dort amüsant zu beobachten, wie der unerfahrene Sgt. Wilson sich siegessicher auf die falsche Spur führen lässt, ohne dass Columbo ihm wegen soviel Inkompetenz böse wird. Ein bisschen störend ist aber, dass ein Spezialist von der Mordkommission bei einem Entführungsfall mitmischt, bevor es (recht spät) zum eigentlichen Mord kommt. Sgt. Wilson bringt diese Ausgeburt der Unlogik sogar kurz zur Sprache, doch Columbo weicht der Frage aus. Die Antwort wäre wohl gewesen: Weil das Publikum sonst den halben Film lang auf das Erscheinen seines geliebten Peter Falk hätte warten müssen.
Ursula Vogel ist wahrlich nicht Janet Leigh, so dass im Deutschen die Performance der tragisch angelegten Rolle der Grace Wheeler Willis frequenzmäßig nicht den richtigen Ton trifft. Das kann dazu führen, dass zwischen Zuschauer und Film die "Chemie nicht stimmt". Claus Biederstaedt hingegen brummt und sänftelt sehr angenehm.
Beim zweiten Ansehen dieser ganz besonderen Folge, nachdem man weiß, dass die Mörderin an Gedächtnisschwund leidet, erkennt man viele Feinheiten, die beim ersten Sehen durchgerutscht sind. So hat z.B. die Mörderin schon in dem Moment, als sie mit dem Butler die Schlafzimmertür des Gatten aufbricht, ihre Schandtat vergessen. Ihre Augen verraten es in den Sekunden davor ganz deutlich. Die Folge, die im Original "Forgotten Lady" heißt, könnte also auch "Forgetting Lady" heißen. Höhepunkt der Episode sind die zwei fabelhaften letzten Dialoge, in denen Columbo mit Ned Diamond über Grace spricht. Das Ende ist - unüblich für Columbo - so rührend, dass man weinen könnte, und vor allem ist es einzigartig in der Serie, dass Columbo einen seiner Gegenspieler laufen lässt. (Lisa, die nur Komplizin in "Ein Toter in der Heizdecke" war, nicht mitgerechnet.)
Das Erzähltempo ist etwas schleichend, aber wenn man diese Folge, die ein gewisses Late-Night-Feeling versprüht, mit viel Muße an einem späten Abend schaut, kann sie Balsam für die Seele sein, auch für Musical-Hasser. Bei aller Dramatik ist noch Raum für köstliche Humor-Einlagen: die Füllszenen zum Thema "Columbo muss schießen üben" und der Showact "Columbo hängt im Baum". Auch Hund hat dabei einen sympathischen Auftritt.
Ich gebe 8 von 9 Punkten.